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Das Studium und die Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater, die Recherchen im Zuge der Masterarbeit und die Tätigkeit als Berater waren und sind von der manchmal echt spannenden Lektüre von Fach- Sach- und Beratungsbüchern, philosophischen oder literarischen Werken zu einzelnen Themenbereichen begleitet.

Zu einigen wenigen dieser Werke möchte ich mich hier ausdrücklich deklarieren. Sie haben mich inhaltlich angeregt, neues Wissen gebracht, treffend formuliert, was mir selbst beinahe schon bewusst war, oder sie haben mich provoziert und meine Ansichten in Frage gestellt.

Die Auswahl wird den Lektüreerfahrungen entsprechend ergänzt. Sie ist sehr restriktiv, völlig subjektiv und nur vom Kriterium bestimmt, dass ich die angeführten Werke mit Lust und Gewinn und ohne allzu große Mühen bis zum Ende gelesen habe.

Michael Winterhoff: Tyrannen müssen nicht sein1

Der 2. Band der populärwissenschaftlichen „Tyrannen–Tetralogie“ des Facharztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, war für mich eine schlüssige Erklärung für bis dahin unerklärliche Verhaltensweisen von einigen Jugendlichen und deren Eltern, die die Erziehungskompetenzen der Schule bis über die Grenzen hinaus beanspruchten.

Ursache sei eine zwar gut gemeinte, aber inadäquate Erziehungshaltung durch einen zu früh einsetzenden und überfordernden partnerschaftlichen Erziehungsstil. Oder die Eltern suchen in einer Projektion die Liebe und Anerkennung ihrer Kinder, was zu einer Machtumkehr führe, wodurch die Kinder in den Allmachtfantasien einer frühen Entwicklungsstufe verhaftet bleiben (enfant roi). Oder es werde durch eine symbiotischen Eltern-Kind-Beziehung die Individualisierung des Kindes verhindert.

Ein herausforderndes Erziehungsbuch, auch für KindergärtnerInnen und LehrerInnen wichtig, mit einer bedenkenswerten Diagnose und einigen wesentlichen Empfehlungen.

Charles Duhigg: Die Macht der Gewohnheit2

Wie Individuen, erfolgreiche Unternehmen, aber auch Gesellschaften gezielt alte Gewohnheiten verändern und neue ausbilden können. Eine sehr interessante Darstellung, wie Change Management beim Einzelnen gelingen kann; ein guter Einblick in die manipulativen Methoden, mit denen Marketing arbeitet, dargestellt an zahlreichen trotz einer gewissen Langatmigkeit noch gut lesbaren, interessanten Musterbeispielen aus den USA.

Das Fazit: Abgewöhnen ist mühsam, aber möglich, wenn Auslöser und Abläufe gut analysiert und parallel neue Gewohnheiten aufgebaut werden. Die Gefahr eines Rückfalls bleibt aber weiter bestehen, da die Wege dafür als neurologische Fahrbahnen bestehen bleiben.

René Freund: Liebe unter Fischen3

Ein humorvoller, flott zu lesender „Roman“ eines mit der Psy-Szene offensichtlich vertrauten Autors über die etwas komplizierte, recht ereignisreiche Rückführung eines in Berlin schaffenden Dichters österreichischer Herkunft im Burnout zu neuer Schaffenskraft.

Als hilfreich bei dieser Metamorphose erweisen sich u.a. älpische Einsamkeit, gesundes Naturburschentum, die Kraft des Jodelns und die sich bei der Erforschung des Liebeslebens der Fische (Elritzen) entwickelnde Erotik.

Der in sprachlichen Klischees verhaftete erste Teil erweist sich (zum Glück) als ein die Verfassung des Protagonisten und das großstädtische Bohemienleben karikierendes Stilmittel.

 
1Michael Winterhoff. Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht – Auswege. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus (2009).
2Charles Duhigg. Die Macht der Gewohnheit: Warum wir tun, was wir tun. Berlin: Berlin Verlag (2012).
3René Freund. Liebe unter Fischen. Wien: Paul Zsolnay Verlag (2013).